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Golf-News

Pilzköpfen auf der Spur

Matthias Krieger, Kapitän der Wilhelmshöher Clubmannschaft, löste sein Versprechen ein. „Wenn wir Hessenmeister werden, lade ich mein Team zu einer gemeinsamen Golfreise ein“, hatte er zu Beginn der vergangenen Saison erklärt. Gesagt, getan. 2009 gewannen die Kasseler mit einem sensationellen Finish die Hessenmeisterschaft. Also galt es, den Trip zu planen. Gemeinsam mit den Trainern Paul Smith, Mike McLean und Andrew Winstanley, die aus der Gegend rund um Liverpool stammen, entstand die Idee, im April auf die britische Insel zu reisen.  Die englische Nordwestküste wartet mit einigen der anspruchsvollsten und berühmtesten Golfplätzen der Welt auf. Dazu zählen drei British Open-Kurse. Royal Liverpool ist einer der bekanntesten Plätze. Elfmal fanden dort die British Open statt; 2006 gewann Tiger Woods das renommierte Turnier.

Im Wallasey Club hatte Andrew Winstanley nach seiner Ausbildung in Hoylake als Trainer gearbeitet. Dr. Frank Stableford, der das weltweit bekannte Scoring-System entwickelte, gehört zu den berühmtesten Mitgliedern. So versprach es, ein Highlight der Reise zu werden, dass die Nordhessen – laut den Planungen – bereits am ersten Tag gegen zwölf Mitglieder des Wallasey Clubs antreten sollten. Anschließend wurde ein gemeinsames Essen und die obligatorische Partie Snooker in den altehrwürdigen Räumen der Anlage auf das Programm gesetzt. Den Royal Liverpool Club, die golferische  Heimat Andrew Winstanleys, kennen viele Freunde des kleinen weißen Balls eher unter dem Namen Hoylake – das ist der Ort, wo sich der Club befindet. Es handelt sich um den zweitältesten Kurs Englands. 1869 gegründet, schaffte Bobby Jones 1930 dort den einzigen Grand Slam, den es bislang gegeben hat.

Das Formby Hall Resort markierte bei den Vorbereitungen die dritte Station der Wilhelmshöher. „Das ist eine moderne Golfanlage, wie man sie in Deutschland kennt“, erläutert Paul Smith. Als vierte Anlage geriet der West Lancashire Club in Visier, der drittälteste Kurs Englands, der 1873 eröffnet wurde. Die Bahnen liegen an der Küste, nördlich von Liverpool. Der Heimatclub Mike McLeans bietet einen Platz mit besonders anspruchsvollem Layout. „Wie in Wallasey und Hoylake ist es selten windstill“, so McLean. Er verweist darauf, dass der Platz den Ruf hat, der schwierigste Qualifikationskurs der British Open zu sein.

Gastfreundschaft und Herzlichkeit

Einen Tag, nachdem das europaweite Flugverbot wegen der Vulkanasche aus Island aufgehoben worden war, hob das Wilhelmshöher Team in Paderborn ab. In Manchester gelandet, ging es weiter zur Appartement-Anlage im Herzen Liverpools. Von dort aus waren die Golfziele an der Küste leicht zu erreichen. Gleich zum Start zeigten sich die Hessenmeister von der Gastfreundschaft der englischen Golfer beeindruckt. Zunächst war in Wallasey das anvisierte Freundschaftsspiel mit dortigen Mitgliedern angesagt. Beim nachfolgenden Dinner im historischen Clubhaus wurde vereinbart, dass die Aktiven beider Teams fortan jährlich zusammenkommen wollen. War der erste Tag von Herzlichkeit geprägt, so folgte am zweiten fast schon Erfurcht vor der historischen Spielstätte Hoylakes. Allein die Dokumente und Bilder an den holzvertäfelten Wänden des Clubs vermitteln Golfgeschichte. Nicht umsonst lautet Hoylakes Bezeichnung unter den Historikern „St. Andrews of England“ – wegen der langen Tradition. Eines jedoch entsprach so gar nicht der Tradition: das für englische Verhältnisse ungewöhnlich gute Wetter. „Kaum eine Wolke trübte den Himmel über den Grüns ein“, berichtet Krieger.

Und wenn man schon einmal in Liverpool ist, kann man nicht nur an Golf denken. Die europäische Kulturhauptstadt 2008 ist etwa durch die Beatles in aller Munde. Wer über die Musikhistorie hinaus durch die Straßen flaniert, kann sich dem etwas rauhen Charme der Hafenmetropole kaum entziehen. Moderne Einkaufspassagen wechseln sich mit urbanen, gewachsenen Prachtbauten aus vergangenen Tagen ab. Der gigantische Hafen, einst einer der größten der Welt, wurde zum Teil zur Erlebniswelt für Globetrotter umgestaltet. Der Faszination konnten sich die Kasseler nicht entziehen. Insbesondere das quirlige Nachtleben der Stadt zog einige in ihren Bann. Matthias Krieger wandelte begeistert auf den Spuren der Beatles und ließ es im berühmten Cavern-Club zur Live-Musik so richtig „rocken“.

Trio ermöglicht besondere Einblicke
Nach vier erlebnisreichen Tagen und sensationellen Golfrunden flog das Hessenmeister-Team von Manchester aus zurück nach Paderborn. Für den einen oder anderen wird es nicht der letzte Besuch auf der Insel gewesen sein. Die ganz besondere Note ermöglichten die drei Professionals. Smith, Winstanley und McLean haben nie ihre heimatlichen Wurzeln vergessen und gaben ihren Spielern einzigartige Einblicke auf, in und auch hinter die Kulissen. „Mit der Reise hat Matthias Krieger bei der Mannschaft einen ganz besonderen und bleibenden Eindruck hinterlassen. Es war die Krönung seiner langjährigen und herausragenden Tätigkeit als Kapitän“, unterstreicht Kai Ruge.

Mario Zgoll

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