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Golf-News

Plötzlich aus dem Tiefschlaf gerissen …

Neulich, an einem Wochenende im April – am ersten schönen und warmen Tag auf dem Golfplatz. Wir hatten richtig viel „Spaß“. Denn: Gibt es Schöneres, als gefühlte sechs Stunden hinter einem Vierer-Flight zu spielen und Etiketteverstöße am laufenden Band zu beobachten? Am Abschlag 1 schon die ersten Merkwürdigkeiten. Uns war die Startzeit um 13.00 Uhr zugewiesen worden. Gegen 12.55 Uhr schlug der als Schnarchnase bekannte Golffreund Gerald ab. Zum Glück hörte ich noch, wie er mit seiner Partnerin diskutierte, dass man ja eigentlich  erst eine Startzeit um 13.10 Uhr habe. Aber man könne es ja mal versuchen… Wir fuhren mit unserem Elektro-Car zu Tee 1. Und wenn ich das vor uns munter loslegende Duo nicht auf die korrrekte Startzeit angesprochen hätte, wären wir in den nächsten Stunden wenig begeistert hinter Schnarchnase und seiner Begleiterin hergetuckert. Aber so mussten sie dann doch zähneknirschend zugestehen, dass sie ja noch gar nicht an der Reihe waren.

Nun lag das freie Fairway vor uns – und niemand konnte uns behindern. So dachten wir jedenfalls. Mein Golfpartner und ich lieben das schnelle Spiel. Ran an den Ball und schlagen – 18 Löcher in dreieinviertel Stunden, das ist unser Tempo.  Aber nicht zu früh frohlocken. Auf Bahn 8 sucht eine unserer Clubbesten ihren Ball im Wasser vor dem Grün. Sie hat Pech: Als sie mit dem Eisen 7 den Grund des Teichs berührt, trübt Modder das Wasser. Und der eben noch klar sichtbare ProV1-Ball verschwindet am Grund. och, wie im Spiel, auch hier gibt sie nicht auf. Die Spielerin wartet so lange, bis der Schlamm absinkt – und versucht es noch einmal. Ich bleibe ruhig, habe ich doch meinen Sitzstock dabei – mein Ehemann ist schließlich Jäger – und das Buch „Mentales Training vor dem Turnier“. So verbringe ich die Wartezeit nützlich. Meinem Golffreund serviere ich vorher noch einen Kaffee aus der goldenen Thermoskanne. Ein wenig stilvoll muss es sein!

Irgendwann hat unsere ambitionierte Hobbyfischerin ihren Ball erfolgreich geangelt. Jetzt kann es weitergehen.
Die Wartezeit hat uns etwas aus dem Schlag gebracht. Mein Ball landet mitten im Teich, seiner fliegt über das Grün. Macht nichts. Denn die nächsten Löcher warten schließlich auf uns.  An Tee 11 staut es sich. Der Langsamste aller Langsamen hat gerade auf dem Herrenabschlag nach einem Griff in seine Hosentasche zehn verschiedene Tees vor sich geworfen. Nun fragt er in die Runde der Wartenden: „Na, welches soll ich denn nehmen?“ Mein Golffreund läuft rot an. Ruhig Brauner! „Die ersten sieben Bahnen waren doch schön“, tröste ich ihn. Er hasst es, auf den nächsten Schlag warten zu müssen. Wir dribbeln hinterher bis Loch 15. Plötzlich bemerkt der Vierer vor uns, dass wir in unserem E-Car zu zweit und schneller sind.

Man sammelt sich auf der Bank am nächsten Abschlag. „Die lassen uns durch!“ mutmaßt mein Begleiter. Ich schlage hastig, und der Ball landet im Grünbunker. Mist, immer diese Hektik. „Nein, Fehlanzeige. Sie wollen uns wohl doch nicht durchspielen lassen. Er hat nur einem Freund zugewunken“, schallt es aus dem E-Car. Ich schlage den Ball einigermaßen passabel  aus dem Bunker aufs Grün. Da höre ich: „Du, die winken uns. Nimm‘ Deinen Ball auf und komm! Wir sollen durchspielen!“ In der Tat, wir dürfen. Wurde ja auch Zeit.Als mein Freund gerade abschlägt, krabbelt ein Golfer aus dem seitlichen Gebüsch und ruft begeistert: „Superschlag. Toller Hüftschwung. Echt klassisch!“ „Das war Standard“, antwortet mein Golffreund trocken. Wir sausen gen Loch 16. Endlich.

Vera Krug v. Einem

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