Seit 1998 betreut Chefredakteur Oskar Brunnthaler sein Magazin Golftime
Better late than never: Im nicht mehr ganz jugendlichen Alter von 45 Jahren entdeckte Oskar Brunnthaler das Golfspielen. Zuvor standen mit Basketball und Tennis zwei andere Disziplinen ganz oben auf der sportlichen Agenda des Österreichers. Mit dem großen, häufig orangefarbenen Ball konnte der heutige GolfTime-Chefredakteur damals unter dem Korb gut umgehen. So gut, dass der gebürtige Wiener mit seinem Team mehrfach die österreichische Meisterschaft gewann. Darüber hinaus trat er mit seiner Mannschaft im Europapokal an und avancierte zum Nationalspieler der Alpenrepublik. Nach seiner aktiven Laufbahn erwarb Brunnthaler die Trainerlizenz und betreute anschließend sowohl die Damen- als auch die Herrennationalmannschaft. Mit 30 Jahren verabschiedete sich der Mann mit der tiefen Stimme und dem trockenen Humor vom Basketball, ging aus beruflichen Gründen nach Deutschland und jagte in seiner Freizeit fortan der Tenniskugel nach.
„Martin Kaymer hat das Zeug dazu!“
Vom Sport zum Job. Seine journalistische Karriere startete Brunnthaler in Wien. Als Reporter der Kronenzeitung sammelte er seine ersten Erfahrungen, bevor er sieben Jahre lang an der Spitze des Wirtschaftsressorts der Wochenpresse stand. Der Burda-Verlag wurde auf den aufstrebenden Publizisten aufmerksam und lockte ihn mit einem Zweijahresvertrag nach Offenburg. Dort war er für die „Bunte“ aktiv und betreute die Österreich-Ausgabe, die seinerzeit in einer Auflage von 130.000 Exemplaren erschien. Aus den zunächst anvisierten beiden Jahren wurden anderthalb Dekaden, die Brunnthaler zwischen 1978 und 1993 bei dem großen Verlagshaus tätig war.
Dann wurde das Sportgerät noch kleiner. Aus der gelben Filzkugel, mit der Boris Becker für so viel Furore gesorgt hatte, wurde der weiße Golfball. Brunnthaler machte seine ersten Gehversuche auf den Fairways und Grüns –
und verliebte sich prompt in den Sport.
Der Eindruck muss nachhaltig gewesen sein. So intensiv, dass der Journalist wenig später in die Golfmedienszene einstieg. Für „Golf Aktuell“ war er als Chefredakteur aktiv und entwickelte in den folgenden fünf Jahren das Magazin weiter. Danach entschloss sich der Österreicher, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen – und gründete 1998 „GolfTime“. Das Blatt mit der höchsten Auflage und Reichweite in Deutschland „setzt auf journalistische Qualität“, wie Brunnthaler betont. Das Team hinter dem Magazin besteht aus zehn festen Mitarbeitern und rund 20 freien Kräften. Den Kern bildet die Familie Brunnthaler: Neben dem Chefredakteur sind es Eva-Carina sowie die Söhne Marcus und Marcel Brunnthaler. Seit über einem Jahrzehnt ist Oskar Brunnthaler bei den bedeutenden Golf-Events rund um den Globus mit von der Partie. Die sportlichen Wege von Bernhard Langer, Alex Czejka, Marcel Siem, Tino Schuster und Martin Kaymer begleitet er seither akribisch – und nimmt mitunter kein Blatt vor den Mund. So zeichnete der Journalist mit seiner turbulenten Story „Himmel und Hölle“ Schusters Absturz bei den British Open nach, als der Deutsche von Rang 2 auf den 65. Platz durchgereicht wurde. Die Reaktionen waren teilweise heftig und deftig. Doch genau darauf zielt der Publizist mit dem Vollbart ab. Er bezieht Stellung, er eröffnet Diskussionen.
Und dieser Linie bleibt der GolfTime-Macher treu. Etwa kürzlich, als er mit der Titelstory „Martin Kaymer, der Messias“ bewusst so manche hitzige Gesprächsrunde rund um den deutschen Shooting-Star provozierte. Unabhängig davon hält Brunnthaler viel von dem jungen Wilden aus Mettmann: „Martin ist derzeit eines der größten Talente weltweit. Er hat das Zeug dazu, ganz weit oben in die Weltelite vorzudringen“, prognostiziert er. Auf der internationalen Bühne beeindrucken ihn Spieler wie Rory McIlroy und Justin Rose. Auch den Spanier Sergio Garcia hält er für einen begnadeten Akteur, auch wenn ihm dessen aufkeimende Starallüren zunehmend mehr missfallen.
270 Tage pro Jahr unterwegs
Auf die Masters im amerikanischen Augusta, das traditionsreiche Event in St. Andrews und den Ryder-Cup freut er sich ein ums andere Mal besonders. Dort fasziniert ihn das großartige Flair. Das gilt vor allem für Augusta: „Bei der Ankunft kommt da ein Prickeln hoch, bei dem man sich als alter Hase über sich selber wundert“, räumt der Routinier ein. Wenn er zum Schläger greift, teet er gern auf dem landschaftlich reizvollen Parkland-Course im Bremer Club „Zur Vahr“ auf. In Österreich zählt Fontana zu seinen Lieblingsdestinationen. Kurse auf Mauritius und in der Dominikanischen Republik schätzt er ebenso wie das chinseische Mega-Resort Mission Hills. Apropos Ausland: Reisen gehört bei seinem Job dazu. An 270 Tagen im Jahr ist Oskar Brunnthaler unterwegs. Doch das bedeutet für den Fan alpenländischer Handy-Klingeltöne mehr Lust als Last. Wer ihn bei der Recherche beobachtet, kann es bestätigen.
Rainer Lomen
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