Warum Die aktuelle Golfballforschung vor bahnbrechenden Innovationen steht
Ein Freund, Golfjüngling wie ich, beruflich in der Rüstungsindustrie tätig, berichtete bei einem kürzlichen Treffen über die aktuelle Golfballforschung. „Unsere Firma ist mit Hochdruck dabei, den garantiert wieder auffindbaren Golfball zu entwickeln“, raunte er mir, konspirativ flüsternd, hinter vorgehaltener Hand zu. „Na, das ist doch mal was zum Segen der Menschheit!“ staunte ich. Sein wütender Blick traf mich postwendend. Er beherrschte sich gerade noch, mir nicht ins Gesicht zu springen – was noch erheblich größere Aufmerksamkeit in unserem Clublokal auf uns gezogen hätte. Er legte seinen Zeigefinger an die Lippen. „Nicht so laut“, zischte er. „Bist du verrückt, das ist streng geheim!“ „Zumindest zum Segen der golfspielenden Menschheit“, rutschte mir, nunmehr mit gesenkter Tonlage, heraus. „Ja, stell dir vor, es werden Ergebnisse aus der Minenforschung eingesetzt“, fuhr mein Freund fort, wobei mir postwendend ein olivgrüner Golfball durch meine Gedanken flog – und ich mir gerade die Frage stellte, wie der wohl garantiert wieder zu finden sein würde.
„Entwickelt ihr jetzt Golfbälle in Flecktarn-Outfit“, stellte ich mich blöde. „So ein Quatsch“, wischte er meine Bemerkung beiseite. „Aber stell dir vor, dein Ball fliegt und fliegt und fliegt. Plötzlich doglegt das Fairway nach links, und dein Ball verschwindet im Rough. Sofort ruft deine Frau: „Den suchst du aber nicht. Schlag einen zweiten, provisorischen Ball!“ „Doch du konterst im Brustton der Überzeugung: Nix da, den find‘ ich“ – wohl wissend, dass Suchaktionen in ähnlicher Lage bereits x-fach ergebnislos hatten abgebrochen werden müssen… „Nun“, fuhr mein Freund mit souverän-selbstsicherer Stimme fort, „mit unserem neuen Ball lässt du lässig deinen E-Caddy neben dir herrollen und – noch in einiger Entfernung zur Auslinie – siehst du schon deinen Ball liegen! Er korrigierte: „Das heißt, du siehst nicht den Ball. Sondern an einem kleinen Draht wird ein winzig kleiner Wimpel hin- und hergeschwenkt – unverkennbar in deinen Clubfarben. Erneut wird deine Frau zu dem entzückten Ausruf veranlasst: „Da ist er ja, dein kleiner Mann!“
„Wenn du dann triumphierend den Ball aufnimmst, rollt sich der kleine Wimpel um den Draht, und der Draht verschwindet teleskopartig im Ball. Was sagst du nun?“, schaute mich mein Freund aufmunternd triumphierend an.
„Toll, Wahnsinn, unglaublich“, hörte ich mich sagen – und war völlig geplättet. „Toll?!“, warf mir mein Freund entgegen. „Viel mehr. Das wäre die Sensation und würde das Golfspiel völlig revolutionieren: kein Ballverlust mehr, störungsfreies Spiel auf allen Plätzen weltweit, keine Staus mehr auf den Fairways wegen unsinniger, zeitaufwändiger Ballsuche!“ „Revolutionieren?“ wende ich ungläubig ein und raffe mich zu einer Gegenfrage auf: „Würde da nicht die ganze Golfballindustrie komplett zusammenbrechen?“ „Nichts da!“, wischte mein Freund sämtliche Bedenken beiseite. Immer mehr Golfspieler bräuchten immer mehr Bälle. „Und außerdem haben wir die Idee bereits weiter entwickelt“, berichtete er.
Nun geriet mein Freund erst richtig in Form. Er sprach von einem blinkenden Golfball und dem Ball mit Sender und Empfänger, der „Hier bin ich“ ins Mikro rufe, wenn man sich ihm bis auf fünf Meter genähert habe. Einmal in Fahrt gekommen, beschrieb er den Golfball, der im Rough einen Meter hochspringt, wenn der Aktive den Sender betätigt. Und, als sei das alles noch nicht genug gewesen, sinnierte er schließlich über den Golfball, der während des Fluges einen Heulton abgebe. „Eine Innovation dürfte auch das Navigationsgerät werden, in das man weltweit sämtliche Plätze einprogrammiert und den Ball im Display auf jedem Fairway lokalisieren kann. Via GPS natürlich“, beendete er sein Feuerwerk. Als wir dann bei dem virtuellen Golfspielen landeten, bei dem die Playstation 3 zum Golfschläger mutiert und man das virtuelle Fairway auch mit Hausschlappen betreten kann, waren wir beim, ich glaube, sechsten Bier angelangt. Jedenfalls mussten unsere Frauen anschließend nach Hause fahren. Dort angekommen, fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, zwei wichtige Fragen zu stellen. Nämlich wann der garantiert wieder auffindbare Golfball seine Marktreife erlangen wird? Und was das Ganze mit Minenforschung zu tun hat?
Christian Krug von Einem
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